Bandscheibenvorfall: Symptome, Ursachen und Behandlung

Starke Rückenschmerzen, die in Arme und Beine ausstrahlen und von Taubheitsgefühlen oder Kribbeln begleitet sind? Bei Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall lohnt sich eine ärztliche Abklärung. Und das Lesen dieses Artikels.

16.05.246min Lesezeit
    Typische Symptome des Bandscheibenvorfalls sind starke Rückenschmerzen.

    Es kann plötzlich passieren: Du verspürst starke Rückenschmerzen, die vielleicht bis in die Arme oder Beine ausstrahlen und mit Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheit in Fingern und Zehen einhergehen. Manchmal werden die Schmerzen sogar von Lähmungserscheinungen begleitet. Diagnose? Leider oft Bandscheibenvorfall.

    Diese ernstzunehmende Erkrankung der Wirbelsäule betrifft gemäss Inselspital Bern circa 5% aller Menschen mindestens einmal im Leben. In manchen Fällen bildet sich der Bandscheibenvorfall von selbst oder durch konservative Behandlung wie beispielsweise Physiotherapie zurück, unter Umständen muss allerdings eine Bandscheibenoperation durchgeführt werden, um die Schmerzen zu lindern und die Mobilität wiederherzustellen. Das gilt insbesondere dann, wenn die Nervenwurzel betroffen ist.

    Hast auch du starke Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule? Dann empfehlen wir dringend eine ärztliche Untersuchung, um einen Bandscheibenvorfall auszuschliessen oder eine passende Behandlungsmethode zu finden. Erfahre hier alles Wissenswerte zum Thema, von Symptomen, über Ursachen, bis hin zu innovativen Behandlungsansätzen!

    Was ist ein Bandscheibenvorfall?

    Um zu erklären, was ein Bandscheibenvorfall (fachsprachlich: Diskushernie oder Diskusprolaps) genau ist, müssen wir als erstes einen kurzen Abstecher in die Anatomie machen:

    Die menschliche Wirbelsäule besteht aus einer Reihe von Wirbelkörpern, die durch flexible Strukturen namens Bandscheiben voneinander getrennt sind. Diese Bandscheiben dienen als Stossdämpfer und ermöglichen Bewegungen wie Biegen, Drehen und Beugen. Sie federn Erschütterungen ab und verteilen den Druck, der tagtäglich auf unserer Wirbelsäule lastet — und dieser ist allgegenwärtig durch das Heben schwerer Gegenstände, das stundenlange Sitzen im Büroalltag, sowie durch ungeeignete Matratzen, Bewegungsmangel oder Fehlhaltungen. Die Wirbelsäule mitsamt Bandscheiben wird im Laufe des Lebens abgenutzt, und durch diesen natürlichen Alterungsprozess nimmt das Risiko für Bandscheibenerkrankungen zu.

    Bei einem Bandscheibenvorfall tritt der weiche, gelartige Gallertkern der Bandscheibe durch deren äusseren Faserring aus und verschiebt sich in den Nervenkanal der Wirbelsäule. Der Druck, der dadurch auf die umliegenden Nervenwurzeln entsteht, kann zu starken Schmerzen, Taubheitsgefühlen und Lähmungserscheinungen sowie eingeschränkter Beweglichkeit führen.

    Abbildung von menschlicher Wirbelsäule mit Bandscheibenvorfall.
    Die Bandscheibe (rot) zwischen den Wirbelkörpern drückt auf die Nerven des Spinalkanals (gelb).

    Die Vorstufe des Bandscheibenvorfalls: die Bandscheibenvorwölbung

    In der Medizin wird der Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps) von der Bandscheibenvorwölbung (Diskusprotrusion) unterschieden, welche sozusagen die Vorstufe des Bandscheibenvorfalls beschreibt.

    Während beim Bandscheibenvorfall (Prolaps) der Faserring vom austretenden Gallertkern der Bandscheibe zerrissen wird, bleibt der Faserring bei der Bandscheibenvorwölbung (Protrusion) intakt und es kommt lediglich zu einer Ausstülpung beziehungsweise Vorwölbung.

    Bei beiden Erkrankungsformen drückt das Bandscheibengewebe auf die Spinalnerven, was für die betroffene Person sehr unangenehm ist. Der Unterschied zwischen Prolaps und Protrusion liegt vor allem in der Prognose: Bei einer Bandscheibenvorwölbung ist diese in der Regel deutlich besser als bei einem Bandscheibenvorfall. Diese kann sich nämlich wieder komplett zurückbilden, während der Vorfall nicht umkehrbar ist.

    Ursachen und begünstigende Faktoren eines Bandscheibenvorfalls

    • Altersbedingte Abnutzung der Bandscheiben. Die Erkrankung tritt oft zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf.
    • Chronische Überbelastung der Wirbelsäule durch schwere körperliche Arbeit oder das Heben schwerer Gegenstände mit ungünstiger Körperhaltung.
    • Ungesunder Lebensstil mit unausgewogener Ernährung, Bewegungsmangel und starkem Übergewicht.
    • Geschlecht — Männer sind gemäss einem Artikel von der Klinik Hirslanden fast doppelt so häufig betroffen wie Frauen.
    Mann hebt schweres Paket, was zu einem Bandscheibenvorfall führen kann.
    Inkorrektes Heben schwerer Gegenstände beschleunigt die Abnutzung der Wirbelsäule, was wiederum das Risiko für einen Bandscheibenvorfall steigert.

    Typische Symptome eines Bandscheibenvorfalls

    Die Symptome eines Bandscheibenvorfalls können je nach Lokalisation und Schweregrad der betroffenen Bandscheibe variieren. Er muss nicht immer Symptome hervorrufen, ein kleiner Bandscheibenvorfall oder Bandscheibenvorwölbung kann lange Zeit unentdeckt bleiben.

    Der Bandscheibenvorfall kann in jedem Abschnitt der Wirbelsäule auftreten, mit Abstand am häufigsten ist jedoch die Lendenwirbelsäule (LWS) betroffen. Der sogenannte lumbale Bandscheibenvorfall macht ganze 90% aller Bandscheibenvorfälle aus. Die übrigen 10% betreffen Halswirbelsäule (HWS) und Brustwirbelsäule (BWS).

    Zu den häufigsten Symptomen gehören:

    • Starke Rückenschmerzen
      Ein typisches Symptom eines Bandscheibenvorfalls sind starke — oft fast unerträgliche — Rückenschmerzen, die sich bei plötzlichen Bewegungen wie Husten oder Niesen verschlimmern. Auch Inaktivität und langes Sitzen verstärken den Schmerz.
    • Ausstrahlende Schmerzen
      Die Schmerzen haben zwar den Ursprung im Rücken, strahlen aber oft bis in die Extremitäten aus. Und hier spielt die Lokalisation des Bandscheibenvorfalls eine Rolle: Befindet er sich in der HWS oder BWS, strahlen die Schmerzen bis in die Arme und Fingerspitzen aus, ausserdem tauchen Nackenschmerzen auf. Ist der Bereich der Lendenwirbelsäule betroffen, können die Schmerzen bis in die Beine und Füsse ausstrahlen.
    • Radikulopathie
      Eine Radikulopathie beschreibt die Schädigung oder Reizung einer Nervenwurzel des Rückenmarks, was bei einem Bandscheibenvorfall oft der Fall ist. Je nachdem, welche Nervenwurzel betroffen ist, kommt es zu Schmerzen oder neurologischen Ausfällen wie Sensibilitätsstörungen, Taubheitsgefühlen oder Kribbeln.
    • Muskelschwäche und Gefühl von Instabilität
      Häufig tritt durch den Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbel ein Gefühl von Instabilität auf, verursacht durch Muskelschwäche in den Beinen. Auch das Stehen, Gehen oder Heben von Gegenständen kann dadurch erschwert werden.
    • Lähmungserscheinungen und Beeinträchtigung der Blasen- oder Darmfunktion
      In einigen Fällen kann ein Bandscheibenvorfall auch zu schwerwiegenden Komplikationen führen, wie zum Beispiel zu Lähmungen und einer Beeinträchtigung der Blasen- oder Darmkontrolle (Cauda Equina Syndrom), was einen sofortigen medizinischen Eingriff erfordert.
    Physiotherapeut therapiert Frau mit Bandscheibenvorfall.
    Physiotherapie ist eine der bewährtesten konservativen Behandlungsmethoden.

    Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

    Die Diagnose eines Bandscheibenvorfalls beginnt in der Regel mit einer gründlichen Anamnese und körperlichen Untersuchung durch einen Orthopäden. Bildgebende Verfahren wie eine Röntgenaufnahme, Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) können dabei helfen, den Zustand der Bandscheiben und den Ort des Vorfalls genau zu bestimmen. Ausserdem kann durch eine neurologische Untersuchung Rückschlüsse darauf gezogen werden, welche Nerven durch den Vorfall gereizt oder komprimiert werden.

    Die Behandlung eines Bandscheibenvorfalls hängt von der Schwere der Symptome und der betroffenen Region ab. In den meisten Fällen — ca. 80% gemäss Universitätsspital Zürich — heilen die Bandscheibenvorfälle ohne Operation folgenlos aus. Konservative Therapien mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln, gezielter Physiotherapie und gesundheitsfördernder Bewegung unterstützen die Heilung massgeblich.

    Wenn konservative Massnahmen nicht ausreichen, das Risiko einer Chronifizierung der Schmerzen besteht, oder in besonders schweren Fällen (zum Beispiel bei drohender Lähmung) ist eine Operation notwendig, um den Druck auf die Nerven zu entlasten und die betroffenen Strukturen zu stabilisieren. Minimalinvasive operative Eingriffe wie zum Beispiel eine endoskopische Bandscheibenoperation können in diesem Fall in Erwägung gezogen werden.

    Prof. Dr. med. Sebastian Weckbach, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie FMH, spez. Wirbelsäulenchirurgie fasst das Behandlungsvorgehen bei Bandscheibenvorfällen im Interview mit NeuroSpine Zürich wie folgt zusammen

    “Das Ziel der konservativen Behandlung von Bandscheibenvorfällen liegt darin, den Schmerz der Betroffenen so lange kontrollieren zu können, bis der Körper es geschafft hat, das Bandscheibenmaterial selber aufzulösen. Je wasserhaltiger ein Bandscheibenvorfall ist, desto häufiger gelingt dies und desto grösser sind die Chancen, dass ein konservatives Management erfolgversprechend ist. Allerdings benötigt dieser Prozess mehrere Wochen. Sollte die Schmerzfreiheit nach 6 bis 12 Wochen nicht eintreten, ist oft eine Operation angezeigt, um der Chronifizierung der Schmerzen vorzubeugen.”
    Wichtig: Wird der Bandscheibenvorfall nicht zeitnah behandelt, können irreversible Nervenschädigungen entstehen. Wir raten deshalb dringend zur ärztlichen Abklärung bei Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall.
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    Die Wichtigkeit von Bewegung: Rückentherapie mit Akina

    Während früher auf Ruhe und Schonung gesetzt wurde, ist den Ärzten von heute klar: Gesundheitsfördernde Bewegung und Physiotherapie sind entscheidend in der konservativen Behandlung von Bandscheibenvorfällen. Die Muskeln um die Wirbelsäule (Rücken- und Rumpfmuskulatur) werden gestärkt, Verspannungen gelöst und schmerzbedingte Schonhaltungen behoben. Zudem wird die Beweglichkeit und Funktionalität verbessert, was neben der Schmerzlinderung einen weiteren bedeutenden Einfluss auf die Lebensqualität der Betroffenen hat.

    Bewegung ist nicht nur für die Behandlung, sondern auch zur Prävention von Bandscheibenvorfällen zentral — umso wichtiger also, dass man aktiv bleibt, auch wenn es schon passiert ist!

    Und genau dabei unterstützt dich Akina. Unsere KI-basierte Trainingssoftware mit wissenschaftlich erprobten Therapieplänen hilft dir, dich von deinem Bandscheibenvorfall zu erholen oder ihm vorzubeugen.

    Unsere interaktive Software erkennt deine Bewegungen über die Kamera deines Laptops und gibt dir wertvolles Feedback in Echtzeit. Dein Physiotherapeut, bzw. deine Physiotherapeutin kann deine Fortschritte und Defizite über unsere Plattform verfolgen und dir zusätzliche Tipps geben, um dein Training noch effektiver zu gestalten. Aber das ist noch nicht alles: Du kannst nach jeder Trainingseinheit dein Schmerzempfinden angeben – diese Veränderungen in deiner Wahrnehmung werden aufgezeichnet und die Trainingsintensität kann weiter auf dich angepasst werden. Wir sind uns bewusst, dass nicht nur der Körper, sondern auch die Psyche eine wichtige Rolle bei der Behandlung spielt. Deshalb wird unser Trainingsprogramm durch stressreduzierende Achtsamkeitsmeditationen und interessante Lerninhalte über körperliche und mentale Gesundheit ergänzt.

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