Hüftschmerzen: Woher kommen sie und was kann man dagegen tun?

Möchtest du mehr darüber erfahren, woher Schmerzen in den Hüften kommen und wie du sie behandeln kannst? Dann bist du in diesem Artikel genau richtig!

05.10.236min Lesezeit
    Mann in Shorts greift sich vor Schmerz mit beiden Händen an die Hüfte.

    Schmerzen in den Hüften (Coxalgie) können in jedem Lebensalter und unabhängig vom Geschlecht auftreten. Dabei können ihnen verschiedene Ursachen zu Grunde liegen - oft sind diese harmlos, zum Beispiel durch unflexible Muskeln und Faszien, nach bestimmten Bewegungen oder durch vorübergehende Fehlbelastungen.

    Diverse andere Krankheitsbilder können allerdings für Hüft- oder Leistenschmerzen verantwortlich sein, und bei schweren oder länger anhaltenden Schmerzen sowie zusätzlichen Schwellungen, Verformungen oder Rötungen sollte unbedingt eine ärztliche Abklärung vorgenommen werden.

    Wenn du von Hüftschmerzen betroffen bist oder einen vollumfänglichen Einblick ins Thema erhalten möchtest, bist du hier genau richtig. Willkommen im Akina Blog!

    Anatomie des Hüftgelenks

    Bevor wir uns mit den verschiedenen möglichen Ursachen von Hüftschmerzen befassen, möchten wir einen kurzen Einblick in die Anatomie und Funktionsweise des Hüftgelenks gewähren.

    Bei einem Gelenk handelt es sich um die bewegliche Verbindung zwischen zwei oder mehr Knochen. Zusammen mit den umliegenden Weichteilen, also Muskeln, Faszien und Sehnen, ermöglichen sie uns eine Vielzahl an Bewegungen. Die Hüftgelenke sind also sozusagen die Verbindungsglieder zwischen Beinen und Becken. Wie auch bei den Schultern handelt es sich bei den Hüften um ein Kugelgelenk: dabei trifft der Knorpel des Hüftkopfs auf den Knorpel der sogenannten Hüftpfanne oder Gelenkpfanne. Die Knorpelschicht sorgt dabei für eine flüssige Bewegung und verhindert im Normalfall einen übermässigen Gelenkverschleiss. Dieser Aufbau des Gelenks ermöglicht Beinbewegungen in alle Richtungen, sowie die Streckung, Beugung und Rotation des Beckens.

    Mann zeigt mit Stift auf Hüftkopf an einer Nachbildung der menschlichen Hüfte.
    Das Kugelgelenk an der Hüfte setzt sich aus Hüftkopf und Gelenkpfanne zusammen.

    Symptome - Wie äussern sich Hüftprobleme?

    Hips don’t lie - so heisst es in einem bekannten Song. Unsere Hüften sagen uns nämlich, wenn etwas nicht stimmt. Nur muss man dabei wissen, dass Hüftprobleme sich nicht nur durch Schmerzen äussern, und dass auch andere Körperpartien in Mitleidenschaft gezogen werden können. Für die Diagnose hilft es unter anderem, sich folgende Fragen zu stellen:

    Wo treten die Schmerzen auf?

    Oft treten Hüftschmerzen im Leistenbereich auf. Sie können in die Beine, das Gesäss oder den Unterbauch ausstrahlen. Nicht selten verursachen auch Probleme im unteren Rücken (zum Beispiel Probleme der Lendenwirbelsäule, ISG-Syndrom) Schmerzen in den Hüften.

    Wann treten die Schmerzen auf?

    Hüftschmerzen können sowohl nach starker Beanspruchung als auch nach längeren Ruhephasen auftreten. Häufig erscheinen sie als morgendliche Anlaufschmerzen oder treten phasenweise auf. Vor allem Treppensteigen, seitliches Liegen oder längeres Gehen verursachen oder verstärken die Schmerzen in der Hüfte.

    Was sind die Folgen?

    Nicht selten gehen die Gelenkschmerzen mit Steifheit und einer Einschränkung der Mobilität sowie einem ausgeprägten Instabilitätsgefühl und einer Veränderung des Gangbildes einher. Für Betroffene kann dies zu einer deutlichen Minderung der Lebensqualität führen, da Sport oder andere Aktivitäten nicht mehr oder nur noch beschränkt möglich sind.

    Wie lange dauern die Schmerzen an?

    Unterschieden wird ausserdem zwischen akutem und chronischem Schmerz - chronischer Schmerz beschreibt hierbei eine Dauer von über drei Monaten.

    Was sind die häufigsten Ursachen von Hüftschmerzen?

    Überlastung des Hüftgelenks durch Training oder schwere körperliche Arbeit:

    Übermässige körperliche Belastung, sei es durch intensives Training im Fitnessstudio oder schwere körperliche Arbeit, kann zu Hüftschmerzen und Verspannungen führen. Dies geschieht oft aufgrund der wiederholten Beanspruchung des Hüftgelenks (durch falsch ausgeführte Bewegungen), was unter Umständen zu Verschleiss und Verletzungen führen kann. Sportarten wie Tennis oder Fussball beanspruchen die Hüften besonders, da die häufigen Sprünge, abrupten Stopps und Drehbewegungen belastend auf das Gelenk wirken.

    Die daraus resultierenden Schmerzen können in der Regel mit Physiotherapie und einer Anpassung des Trainings behoben werden.

    Unfälle, Frakturen, Traumata:

    Ein Unfall, Sturz oder ein schweres Trauma, wie zum Beispiel durch einen Autounfall, kann zu Hüftverletzungen führen. Dabei verursachen nicht nur Verletzungen des Hüftgelenks an sich Schmerzen in der Hüfte, auch Knochenbrüche am Femur (Oberschenkelknochen) wirken sich auf das Hüftgelenk aus.

    Diese Verletzungen verursachen starke Schmerzen und erfordern in der Regel eine sofortige ärztliche Versorgung und chirurgische Eingriffe, um die verletzten Knochen zu stabilisieren und deren Heilung einzuleiten.

    Hüftimpingement:

    Das Hüftimpingement beschreibt eine Formveränderung oder Fehlbildung des Hüftgelenks, die eine Bewegungseinschränkung verursacht. Im Laufe der Zeit kommt es dadurch zu einem Knorpelverschleiss oder Abnutzung des Randes der Gelenkpfanne, was Hüft- oder Leistenschmerzen hervorrufen kann.

    Kann der Fehlstellung nicht mit Physiotherapie und Muskelaufbau entgegengewirkt werden, ist eine operative Korrektur notwendig, um eine irreversible Schädigung des Knorpels zu verhindern und somit das Risiko einer Hüftgelenksarthrose zu verringern.

    Frau in Jeans und weissem Pulli greift sich vor Schmerz an die Hüfte.
    Bei langanhaltenden Schmerzen in den Hüften lohnt sich eine ärztliche Abklärung.
    Stoffwechselerkrankungen:

    Stoffwechselerkrankungen wie Rheuma, Gicht und Diabetes können Entzündungen im Hüftgelenk verursachen. Diese chronischen Erkrankungen führen zu Schädigungen des Gelenkknorpels und können zu langfristigen Hüftschmerzen führen.

    Die Behandlung konzentriert sich in diesem Falle auf die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung und die Linderung deren Symptome.

    Osteoporose:

    Osteoporose (Knochenschwund) kann sich am gesamten Skelett bemerkbar machen. Am häufigsten tritt sie allerdings an der Wirbelsäule und den Hüften auf, weswegen Hüftschmerzen eines der Hauptsymptome der Osteoporose sind. Osteoporose macht die Knochen porös und dadurch brüchig, weswegen das Risiko auf Hüft- oder Oberschenkelhalsfrakturen erhöht wird.

    Die Behandlung konzentriert sich auf die Stärkung der Knochen und Muskulatur durch Bewegungstherapie, Ernährung und Medikamente.

    Hüftkopfnekrose:

    Die Hüftkopfnekrose oder Femurkopfnekrose bezeichnet das Absterben des lebenden Knochengewebes im Hüftbereich. Aufgrund einer Durchblutungsstörung entsteht eine Unterversorgung an Sauer- und Nährstoffen. Die Folge ist eine Demineralisierung und dadurch hervorgerufene Instabilität des Knochens. Unbehandelt führt diese Krankheit bei 85% der Betroffenen zu irreversiblen Schäden an Gelenk und Knochen, unter anderem Einbrüchen des Hüftkopfes und zu Hüftarthrose.

    Wenn die Hüftkopfnekrose noch nicht zu weit fortgeschritten ist, besteht die Chance auf Heilung durch medikamentöse Therapie und Entlastung. In späteren Stadien hilft oft nur noch eine Operation, um das Hüftgelenk zu erhalten. Wenn die Gelenkfläche des Hüftbereichs bereits eingebrochen ist, ist das künstliche Hüftgelenk die einzige Lösung.

    Hüftdysplasie:

    Eine Hüftdysplasie ist eine Fehlbildung der Hüftpfanne, die entweder angeboren oder im Laufe des Lebens entwickelt wurde. Dabei überdacht die Hüftpfanne den Hüftkopf unzureichend, was zu einer vermehrten Belastung des Hüftgelenks führt. Eine mögliche Folge ist eine Hüftgelenksarthrose. Die Hüftdysplasie betrifft laut der Balgrist Universitätsklinik schätzungsweise 6% alle Neugeborenen und ist somit die häufigste Fehlentwicklung des Skeletts.

    Eine operative Behandlung ist bei einer Hüftdysplasie sinnvoll, da sie Schmerzen und Bewegungseinschränkungen deutlich reduziert und die Entwicklung von Arthrose verzögert. Liegt bereits eine Hüftarthrose vor, wird sie in der Regel mit konservativen Therapien wie Physiotherapie, entzündungshemmenden Schmerzmitteln oder Kortisoninjektionen behandelt.

    Labrumläsion:

    Die Verletzung der Hüftgelenkslippe (Labrum acetabuli) wird als Labrumläsion bezeichnet. Die Gelenklippe besteht aus Fasergewebe und kleidet die Hüftgelenkpfanne aus. Dank ihrer federnden, dämpfenden Funktion und glatten Oberfläche ermöglicht eine gesunde Hüftgelenkslippe die mühelose Bewegung des Oberschenkelkopfes in der Hüftpfanne. Oft entsteht die Labrumläsion durch eine Sportverletzung oder als Folge einer Hüftdysplasie. Sie äussert sich in klemmenden, stechenden Schmerzen sowie einer Beeinträchtigung der Mobilität.

    Reichen konservative Behandlungsmethoden wie Physiotherapie, entzündungshemmenden Medikamenten oder Injektionen nicht aus, muss durch eine Hüftarthroskopie die Gelenklippe an den Pfannenrand befestigt werden. Diese Operation beugt einer Hüftarthrose vor.

    Hüftarthrose:

    Die Hüftarthrose (auch Coxarthrose) ist eine degenerative Gelenkerkrankung, bei der der Gelenkknorpel im Hüftgelenk meist schleichend, über den Verlauf mehrerer Jahre, abnimmt. Dies führt zu zunehmenden Schmerzen, Steifheit und eingeschränkter Beweglichkeit.

    Die Behandlung umfasst Schmerzmanagement und Physiotherapie. In fortgeschrittenen Fällen ist ein künstliches Hüftgelenk die einzige langfristige Lösung.

    Schleimbeutelentzündung:

    Im Hüftgelenk befinden sich mehrere Schleimbeutel - diese bilden eine Art Schutzschicht für sich aneinanderreihende Körperstrukturen. Bei einer Schleimbeutelentzündung (Bursitis trochanterica) entzündet sich diese Schutzschicht, oft aufgrund von Überbelastung und einseitigen Bewegungen - als Folge treten Schmerzen typischerweise über dem Trochanter major auf (grosser Rollhügel). Dies ist der seitliche Knochenvorsprung des grossen Oberschenkelknochens (Femur).

    Zur Behandlung wird oft eine physikalische Therapie und Schonung der Hüfte empfohlen. Auch eine Stosswellentherapie oder Antirheumatika können Abhilfe verschaffen.

    Hüftschnupfen

    Der sogenannte Hüftschnupfen (Coxitis fugax) ist eine vorübergehende, aseptische Entzündung des Hüftgelenks. Üblicherweise sind Kinder im Alter zwischen vier und zehn Jahren davon betroffen, es können sich aber auch Erwachsene einen Hüftschnupfen zuziehen. Der Hüftschnupfen äussert sich in Schmerzen, die bis in die Beine ausstrahlen können, und einem damit verbundenen Humpeln. Rotationsbewegungen sind hierbei stark eingeschränkt. Oft geht dem Hüftschnupfen eine virale Atemwegsinfektion mit Fieber voraus.

    Die Behandlung zeichnet sich im Falle eines Hüftschnupfens durch Entlastung und Einnahme von Schmerzmitteln aus. In der Regel heilt diese Krankheit von alleine und ohne Spätfolgen aus.

    Frau hält Schmerztabletten in der Hand.
    Die Einnahme von Schmerzmitteln kann akute Hüftschmerzen kurzfristig lindern.

    Ärztliche Abklärung bei Hüftschmerzen

    Eine zielgerichtete Behandlung von Hüftschmerzen ist abhängig von den Symptomen und Ursachen. Es sollte daher dringend eine ärztliche Abklärung stattfinden, um die richtige Behandlungsmethode zu ermitteln. Abgesehen von einer mündlichen Anamnese können dabei auch bildgebende Verfahren wie zum Beispiel Röntgenaufnahmen, Magnetresonanztomographie (MRT), oder Sonographien (Ultraschalluntersuchungen) Klarheit über den Ursprung des Schmerzes verschaffen.

    Hüftproblemen vorbeugen: geht das?

    Vorbeugen ist besser als Heilen - dieses Sprichwort gilt auch bei Hüftproblemen. Das wichtigste und effektivste Mittel zur Prävention ist regelmässige Bewegung. Das stärkt nämlich nicht nur die Muskulatur, sondern durchmischt auch die Gelenkflüssigkeit, was die Aufnahme von Nährstoffen in den Gelenkknorpeln fördert. Nachfolgend haben wir dir einige Tipps und Tricks zusammengestellt, welche du in deinem Alltag integrieren kannst:

    1. Wie bereits erwähnt, ist Bewegung das A und O für ein gesundes Hüftgelenk. Besonders gut eignen sich dabei gelenkschonende Sportarten wie zum Beispiel Schwimmen, Aquafitness, Nordic Walking oder Fahrradfahren.
    2. Überschüssiges Körpergewicht fördert den Verschleiss der Knorpel und belastet die Gelenke. Mit einem gesunden Körpergewicht wird der gesamte Bewegungsapparat entlastet, was auch den Hüftgelenken entgegenkommt.
    3. Gut sitzende Schuhe helfen bei einem ausgeglichenen, stabilen Stand und wirken sich dementsprechend auf die Körperhaltung aus. Bei Fehlstellungen in Füssen oder Beinen sollten immer entsprechende orthopädische Einlagen getragen werden.
    4. Sitzen ist bekanntlich das neue Rauchen - man sollte deswegen wenigstens auf ein ergonomisches Sitzen im Arbeitsalltag achten. Die Höhe von Tisch und Stuhl sowie die Position von Bildschirmen sollte an deine Körpergrösse angepasst werden.
    05.10.236min Lesezeit

    Teilen

      Über den Autor

      Content Writer

      Besser beginnt heute.

      Es braucht gar nicht viel zur Besserung. Melde Dich jetzt an und teste Akina als eine*r der Ersten selbst.

      Du bist eine Fachperson des Gesundheitswesens?

      Mehr Informationen
      Akina Logo

      Bei Akina glauben wir an die Zusammenarbeit von Patienten und Physiotherapeuten über die Klinik hinaus. Gemeinsam können wir den Pfad in eine bessere Zukunft ebnen - mit jeder Bewegung etwas weiter.

      © 2024 Akina